Myokine – die Botenstoffe für unsere Gesundheit

Sport hält fit, macht den Kopf frei und bringt Spaß – das ist allseits bekannt. Doch das ist noch nicht alles: Körperliche Bewegung stählt nicht nur die Muskeln, sondern aktiviert auch eine Art „körpereigene Apotheke“. Was es damit auf sich hat, lesen Sie hier.

Frau, die im Wald joggt.
Sie wollen Ihr Immunsystem unterstützen? Kein Problem: Trainieren Sie Ihre Muskulatur.

Ob Bewegung, Verdauung oder unsere Atmung – jeder Mensch besitzt rund 650 Muskeln, die zahlreiche lebensnotwendige Aufgaben übernehmen. Auch sportliche Höchstleistungen sind nur durch unsere Muskeln möglich: So kann ein Gewichtheber knapp das dreifache seines Körpergewichts stemmen oder ein Sprinter auf ganze 45 km/h beschleunigen. Und unsere Muskeln können noch viel mehr: Das Training unserer Muskulatur hält uns nicht nur fit, sondern auch gesund.

Die Muskulatur: unsere „körpereigene Apotheke“

Lange Zeit waren unsere Muskeln der Inbegriff von Stärke und galten als reine Kraftmaschinen. Heute wissen wir: Unsere gesamte Muskelmasse ist quasi ein Organ, das mit den anderen Organen unseres Körpers „kommuniziert“. Das Zauberwort heißt Myokine: Unsere Muskulatur ist nämlich eine Art „körpereigene Apotheke“, die bei starker körperlicher Belastung diese wertvollen Botenstoffe ausschüttet. Der Begriff „Myokine“ leitet sich aus dem Griechischen ab: „mys“ steht für Muskel und „kinos“ für Bewegung. Durch sie können auf Zell-Ebene vielseitige Effekte angestoßen werden. Erst im Jahr 2007 hat eine dänische Gesundheitsforscherin die winzigen Stoffe entdeckt. Bis heute konnten mehrere hundert Myokine nachgewiesen werden – allerdings sind erst wenige davon erforscht.

Myokine: wichtige Botenstoffe für unsere Gesundheit

Die positiven Effekte der Myokine betreffen nicht nur unsere Muskeln. Beim Training der Muskulatur gelangen die Botenstoffe über die Blutbahnen in alle Organe des Körpers und senden Signale an die Zellen, um biologische Mechanismen auszulösen. Bedeutet: Unsere Muskulatur „spricht“ mit anderen Organen und wirkt durch diese Kommunikation positiv auf sie. Beispielsweise ermuntert sie unseren Bewegungsapparat dazu den Fettabbau zu optimieren, das Immunsystem zu stärken oder unser Gehirn und das Herz-Kreislauf-System zu unterstützen. So schalten sich Myokine in die einzelnen Körperfunktionen ein:

Myokine unterstützen das Immunsystem

Mit Sport können Sie Ihrem Immunsystem unter die Arme greifen: Beim Training der Muskulatur steigt die Myokin-Konzentration im Blut um das Hundertfache – die Batterien des Immunsystems werden aufgeladen. Genauer: Myokine reduzieren die negativen Effekte von Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren und stärken so unser Immunsystem. Zudem sind die hormonähnlichen Botenstoffe besonders bekannt für ihre antientzündlichen Effekte. Beispielsweise schützt Interleukin 6 – das am besten erforschte Myokin – unseren Körper vor sogenannten „stillen Entzündungen“, die z.B. Arteriosklerose verursachen können.

Myokine fördern den Stoffwechsel

Bestimmte Myokine unterstützten Stoffwechselprozesse in Leber, Gehirn und den Muskeln. Dadurch können Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette besser vom Körper verwertet werden. Besonders nach dem Krafttraining findet sich eine große Menge an Myokinen im Blut, die sogar dabei helfen viszerales Bauchfett zu reduzieren. Interessant: Myokine können dabei unterstützen, das Ausbrechen von Diabetes-Typ-2 zu verzögern. Myokine zeigen, wie wichtig Sport auch als Therapie ist.

Myokine optimieren die Durchblutung

Myokine wirken sich positiv auf die Gefäßgesundheit und Durchblutung aus – dadurch können unsere Muskeln mehr Leistung erbringen. Ähnlich funktioniert der wertvolle Botenstoff auch bei den Nervenzellen: Myokine verhindern beispielsweise das Absterben von Gehirnzellen und unterstützen gleichzeitig den Ausbau von Neuronen und Synapsen im Hippocampus – so wird die Denkleistung gesteigert: Der Hippocampus ist sozusagen die Speicherplatte unseres Gehirns und eine Schnittstelle zwischen Lang- und Kurzzeitgedächtnis. Eine Studie zeigt: Sportliche Menschen haben ein höheres Myokin-Niveau, was sie vor Demenzerkrankungen, Angststörungen oder Depressionen schützen kann.

Bewegung für die Gesundheit: Was unterstützt die Myokin-Produktion?

Wer rastet, der rostet – Myokine sind einer der Gründe, warum Sport so gesund für uns ist. Besonders beim Training der Muskulatur werden viele Myokine freigesetzt. Dabei ist es egal, ob zu Hause oder im Fitnessstudio trainiert wird: Übungen mit leichten Hanteln, Eigengewicht oder ein paar Liegestütze reichen schon, um die Myokin-Produktion in Schwung zu bringen. Aber auch ein Spaziergang in der Natur, der Arbeitsweg mit dem Fahrrad oder Treppensteigen unterstützen die Gesundheit. Für ein optimales Myokin-Niveau sorgen schon knappe 30 Minuten mit zwei bis drei Kraft- und Ausdauereinheiten pro Woche. Wichtig: Planen Sie genügend Zeit für Regenerationsphasen ein, denn hier werden nach dem Krafttraining die Myokine produziert.

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